Wintererbsen-Sortenvergleiche

Da es an praxisrelevanten Aussagen zur Eignung von verschiedenen Wintererbsentypen unter ökologischer Bewirtschaftung in Niedersachsen mangelt, sollten zunächst in der Vegetation 2017/18 am Versuchsstandort der Hochschule Osnabrück Handelssorten und Zuchtstämme der Getreidezüchtungsforschung Darzau, plus Kombinationen von vollblättriger und rankender Typen gleicher Pflanzenlänge in Kombination mit der Wintertriticalesorte Agostino angebaut werden. Leider hat dieser Versuch über Winter in einer Weise gelitten, dass eine sinnvolle Auswertung nicht mehr zu erwarten war. Er musste daher abgebrochen und eingemulcht werden.

Zur Herbstaussaat 2018 wurden der Versuch am Standort Köhlingen bei 21371 Tosterglope in der Nähe von Darzau mit 10 Handelssorten in je vier Wiederholungen, sowie 24 Zuchtstämme der Getreidezüchtungsforschung Darzau in je zwei Wiederholungen, und acht Kombinationen von je zur Hälfte Voll- und Halbblatttypen gleicher Pflanzenlänge und genetisch nahisogenen Typen, wie sie auch in Reinform im Versuch enthalten sind, ebenfalls in zwei Wiederholungen angelegt. Bei den Wintererbsen wurde ein Saatstärke von 70 Korn/m² und dem Mischungspartner Wintertriticale mit der Sorte Agostino 120 Korn/m² eingewogen. Die Ertragsauswertung erfolgte über ein geostatistisches Verfahren, welches auf der Basis der unterschiedlichen Anzahl Wiederholungen die beste Genauigkeit für beide Gruppen (mit 2 bzw. 4 Wdh.) erzielen kann und dabei Synergien nutzt.

Es soll untersucht werden, ob ein Mischanbau von rankenden mit vollblättrigen Erbsen im Hinblick auf Ertrag, Standfestigkeit und Beikrautunterdrückung die bessere Lösung für die Praxis als ein Reinanbau sein könnte. Aus dem Vergleich der Handelssorten sollen Sortenempfehlungen für die Praxis abgeleitet werden. Nicht zuletzt soll anhand des erweiterten Spektrums von Zuchtstämmen, die gegebenenfalls im Anschluss nutzbar gemacht werden können, geprüft werden, ob andere morphologische Typen als die bisher verfügbaren für den ökologischen Anbau besser geeignet wären. Das Spektrum umfasst daher Unterschiede hinsichtlich Pflanzenlänge, Blühbeginn und Korngröße. Es handelt sich um nahezu ausschließlich weißblühende Formen.

Die Versuchsvorbereitung und -durchführung von der Aussaat bis zur Ernte inkl. Bonituren wie Stand vor Winter, Stand nach Winter bzgl. Winterhärte im März, Stand nach Winter bzgl. Wechselfrostempfindlichkeit, Kulturdeckungsgrad als Beikrautkonkurrenz, gegebenenfalls Stängel- und Blattkrankheiten, Blühbeginn, Pflanzenlänge und/oder Bestandeshöhe zum Blühende, Standfestigkeit und Bestandeshöhe zur Druschreife liegt in der Hand der Getreidezüchtungsforschung Darzau. Nach Drusch und ggf. Trocknung wird die Ernte in Erbsen und Triticale separiert, die Erträge erfasst und die Proben aufbereitet bzw. gereinigt, sowie das Tausendkorngewicht bestimmt und der Rohproteingehalt mittels Nahinfrarotmessung geschätzt.

Das Versuchsvorhaben wird in der Vegetation 2019/20 wiederholt, wobei eine Reihe von Zuchtstämmen, die aufgrund der bisherigen Ergebnisse als nicht mehr verfolgenswert angesehen werden können, durch jüngere Zuchtstämme ausgetauscht werden. Besichtigungstermine mit Feldführung und Diskussion sind bitte den Terminhinweise im Menü (siehe oben rechts) zu entnehmen. Am gleichen Standort findet sich auch ein Schwefeldüngungsversuch der Landwirtschaftskammer Niedersachsen und ein Versuch im Rahmen des Vorhabens EU-LIVESEED zur Kombination von drei unterschiedlichen Wintertriticalesorten mit 10 verschiedenen Wintererbsentypen.

In der Vegetation 2018/19 entwickelten sich die Bestände über den sehr milden, aber trockenen Winter verhältnismäßig gut. Die Bestandesdichte blieb jedoch auf niedrigem Niveau. Allerdings traf den Versuch ein Hagelsturm am 16. Juni, der vor allem die Erbsenpflanzen, -blätter und -hülsen stark in Mitleidenschaft gezogen hat. Letztendlich fanden sich sehr viele leere Hülsen oder solche mit nur noch stecknadelkopfgroßen Körnern. Die Tausendkorngewichte blieben unterdurchschnittlich und die Erträge der Erbsen auf extrem niedrigem Niveau. Wintertriticale konnte dieses Ertragsdefizit unter betriebsökonomischen Gesichtspunkten zwar noch sehr gut ausgleichen, jedoch sind die Erbsensortenunterschiede für Praxisempfehlungen im Detail nicht repräsentativ. Für Sortenempfehlungen muss der Versuch wiederholt werden. Unter den widrigen Umständen zeichnete sich dennoch ab, dass kurze Erbsen allzu sehr unterdrückt wurden und die höchsten Erbsenerträge mit den langwüchsen Typen erzielt wurden. Dabei erschien dies prinzipiell unabhängig vom Blatttyp zu sein. Mangels „Erbsenertrag“ war die Beurteilung von Lagerneigung und damit möglicherweise verbundener unterschiedlicher Beikrautkonkurrenzierung in Abhängigkeit vom Blatttyp nicht beurteilbar. Ertraglich brachte die Mischung der nahisogenen Voll- und Halbblatttypen im Durchschnitt keinen Ertragsvorteil gegenüber dem Mittel der Reinform. Dies war nur bei einer Kombination langwüchsiger Wintererbsenzuchtlinien der Fall und ist als Einzelergebnis für eine prinzipielle Ableitung nicht ausreichend. Auch dieser Teilaspekt der Versuchsfragestellung muss daher wiederholt werden. Die höchsten Erbsenerträge wurden in der Kreuzungsgruppe DZP0801e mit langwüchsen Wintererbsentypen erreicht.

Zwischenbericht zum Wintererbsen-Sortenvergleich in der Vegetation 2018/19 als PDF.

Versuchsablauf

Die Versuchsfläche befand sich auf dem Bioland-Betrieb von Andreas Wenk bei 21371 Tosterglope-Köhlingen. Die Bodenart war sandiger Lehm mit Vorfrucht Sommergerste. Die Aussaat erfolgte am 17.September 2018 in einer randomisierten Abfolge auf Parzellen von 7,5m² (Erntefläche). Am 6.11.2018 wurde maschinell gehackt. Der Parzellendrusch erfolgte am 19.Juli 2019.

Mit Unterstützung des Landes Niedersachsen gefördert über das Niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz wird dieses Vorhaben in der Vegetation 2018/19 und 2019/20 am Standort Köhlingen bei Darzau durchgeführt. Die Ergebnisse werden an dieser Stelle bekannt gemacht.